mit der Mauer im Gepäck

Die Berliner Mauer aus westlicher Sicht und Empfindungen. Gepaart mit ganz persönlichen Erlebnissen und Gedanken. Das alles eingebettet in einen Systemischen Blickwinkel.

Ohne Wurzeln kein Wachstum.

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Angela Axmann | Buch

Kapitel 15

Wie soll man sich bei so einem schnellen Wandel der Geschichte orientieren?
Schließlich kann man die Staatsbürgerschaften nicht wechseln wie Mäntel. Ein Afrikaner in Osterreich bleibt immer auch ein Afrikaner, schon allein wegen seiner Wurzeln. Und das gilt doch wohl für alle Nationalitäten. Auch für uns.
Das war für BRD-Bürger sicher weniger ein Problem als für DDR-Bürger. Mantel an, Mantel aus, Mantel an … Und in manche Mäntel muss man erst hineinwachsen, andere passen vielleicht nie.
Wir sollten diesen Wechsel nicht unterschätzen. Und wie ich schon erläutert habe, sind unsere Wurzeln wichtig und essentiell für uns. Wenn nun ein System, egal wie es auch immer ausgesehen haben mag, nicht mehr existiert, dann werden Wurzeln gekappt. Ein Baum, der an einer bestimmten Stelle wächst und von dort aus entfernt wird, um an einer anderen Stelle weiterzumachen, braucht auch seine Zeit, um neu „anzuwurzeln“! Ein Überleben des Baumes ist nicht immer die Folge.

Kapitel 19

Haben wir Fundamente zum Brückenbauen? Ja, unsere gemeinsame Geschichte! Denn ohne den verlorenen Zweiten Weltkrieg hätte es keine Besatzungszonen, keine DDR gegeben. Nach meiner Meinung gehört die DDR genauso zur Geschichte der BRD wie umgekehrt. Gut möglich, dass nur Wenige diese Ansicht mit mir teilen. Für mich fühlt sie sich richtig an. Denn nun, nach fünfundzwanzig Jahren Wiedervereinigung, sind BRD und DDR eins, ein Deutschland! Wir sollten lernen, beide Geschichtsseiten mit in unserer Vergangenheit zu verankern, darüber nachzudenken, sie vielleicht in der eigenen Familie ein Stück weit zu erkunden und sie letztendlich zu achten. Die Deutschen als Volk müssen an verschiedenen Stellen ihrer Geschichte noch heilen. Der Zweite Weltkrieg mit seinen Opfern und Tätern sitzt uns immer noch präsent im Nacken. Wir werden immer noch oft genug darauf hingewiesen. Ja, auch da ist noch Heilungsbedarf. Und ob wir es wollen oder nicht, es sind unsere gemeinsamen Wurzeln.

Kapitel 40

Das ging nun wirklich schnell. Erneute Post vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der Deutschen Demokratischen Republik.
Kaum lag die Post auf meinem Tisch, musste ich sie auch schon aufreißen. Mein Herz klopfte und in meinem Kopf gin der Satz umher: „Du hast sowieso nichts! Keine Akte.“ War ich mir da so sicher? Mit leicht zittrigen Fingern entfaltete ich drei DIN-A4-Seiten. „So viel? Hätte nicht auch eine Seite gereicht?“